Brief-Kirchenbekrönung
 
Brief-Wetterhahn
 
Brief - Randgebiet - Hessens
 
Hähnengalerie
 
Mein Steckenpferd / Hobby
 
Kirchenbekrönungen - Infos
 
Gedicht
 
Symbolbedeutungen
 
Meine Adresse
 
Spruch
 
Kirchen und Hähne
 
Fragebogen
 
Buchvorstellung: Hähne Hessens Bekrönungen von ...
 
 
Kirchen und Hähne  
Gedern Nieder Seemen 11b 63688.jpg
Nieder-Seemen Die Geschichte von Nieder-Seemen von Erhard Müth und Stephan Jäger, unterstützt vom gesamten Arbeitskreis Dorfchronik Mittel-Nieder-Seemen
Entstehung, erste urkundliche Erwähnung Der Ober-Seemer Lehrer Karl Seipp schreibt in der von ihm erstellten Chronik des Ortes 1950, dass von der Wetterau aus fluss- bzw. bachaufwärts Rodungen erfolgten. Die ältesten Ortsnamen endeten auf „affa“ oder „aha“. Seipp vermutet schon vor dem 4. Jahrhundert Einzelsiedlungen, aus denen später die drei Seemen im oberen Tal des Seemenbaches entstanden. In einem Aufsatz aus den 20er oder 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wird Nieder-Seemen auf das Jahr 786 datiert. Im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt gibt es Quellen, die im 9. oder 10. Jahrhundert „Siemena“ erwähnen, man vermutet dass unter diesem Namen die Einzelsiedlungen, aus denen unsere Dörfer entstanden, geführt wurden. Die Herkunft des Namens, es taucht auch der Begriff Seemenaha auf, wird mit Binsen (Symen oder Semd) und Wasser (Aqua) erklärt. Für Nieder-Seemen findet sich 1339 erstmals eine urkundliche Erwähnung: Der Junge von Breitenbach und seine Ehefrau Kune bekunden, dass sie dem Konrad von Trimberg versprochen haben, ihm ihre Dörfer Pferdsbach und Nieder-Seemen zur Wiedereinlösung anzubieten. Herrschaft, politische Gemeinde Zu Zeiten Karls des Großen, also um 800, gehört das Seemental wie auch Gedern zum Bannforst Büdingen, der im Nordwesten durch die Nidder und im Osten durch die Salz begrenzt wurde. Das Gericht Gedern umfasste neben den drei Seemen auch Kirchbracht, Mauswinkel, Illnhausen, Bös-Gesäß und Burgbracht. Mit Gedern dürften auch wir Besitz der Herren von Ortenberg gewesen sein und dann an die Büdinger, später an die Breuberger, Trimberger, Eppstein-Königsteiner und schließlich an Stolberg-Wernigerode gegangen sein. Mit der Teilung 1602 gingen die drei Seemen an Ortenberg. 1730 kauft jedoch Stolberg-Gedern die drei Dörfer, Ortenberg löst sie aufgrund Wiederkaufsrecht 1786 wieder ein. Der dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648 hat nach den spärlichen Informationen auch die Bevölkerung Nieder-Seemens mehr als halbiert. Das Stadtarchiv beinhaltet eine „Hochgräflich Stolbergische Zehntordnung“ von 1794, „wonach sich die Zehnder und Untherthanen des Gerichts Seemen zu richten“ haben und die teilweise sehr genaue Anweisungen über die Abführung des Zehnten gibt. Nach unruhigen Zeiten werden Stolberg-Ortenberg und Stolberg-Gedern mit 16 anderen Kleinstaaten 1806 zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt zusammengefasst. Mit der neuen hessischen Verfassung von 1848 wurden die politischen und bürgerlichen Rechte erweitert und weitgehende Pressefreiheit gewährt. Trotzdem führte die große Armut in den Dörfern dazu, dass um 1840 ungefähr 20 Familien aus dem Seemengrund nach Amerika auswanderten. Die beiden Weltkriege gingen nicht spurlos an Nieder-Seemen vorbei. Im ersten Weltkrieg sind fünf Gefallene, im zweiten 27 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Zu deren Gedenken und zur Mahnung wurde 1930 und 1953 jeweils ein Ehrenmal im Heimgarten am Seemenbach errichtet. Mit dem Durchmarsch der Amerikanischen 11th Armored Division endete am 31 März 1945 für Nieder-Seemen der II. Weltkrieg. Außer durch Luftminen zerborstenen Fernstern ist Nieder-Seemen von Kriegsschäden verschont geblieben. 1972 endet die Selbständigkeit Nieder-Seemens im Rahmen der Hessischen Gebietsreform. Die Gemeindevertretung entscheidet sich nach einigem Überlegen gegen Kefenrod, sodass wir seitdem der kleinste Stadtteil Gederns sind. Kirche und Glaube, Gesundbrunnen Von Historikern wird vermutet, dass das Christentum schon vor Bonifatius Einzug in unserer Gegend hielt. Dafür spricht, dass die erste Büdinger Remigiuskapelle, ein Holzbau, um 700 errichtet worden sein soll. Die Gederner Chronik Geriwarda berichtet, dass 797 die Gederner Marienkirche dem Kloster Lorsch geschenkt wurde. Sie war Pfarrkirche auch für das Seemental bis Ende des 16. Jahrhunderts; ab dann gab es eine eigenständige Pfarrei Ober-Seemen. 1724 trennte sich Mittel-Seemen von Ober-Seemen und bildete mit Nieder-Seemen ein eigenes Kirchspiel. Die Nieder-Seemer Kirche stammt vermutlich aus dem Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts, wie dendrochronologische Untersuchungen eines Balkens bei der letzten bis 2004 dauernden Renovierung ergaben. Eine eindeutige Datierung trägt die Wetterfahne des Kirchturms mit der Inschrift „Anno 1675 Kaspar Birkenstock macht mich“. Dieser Kaspar Birkenstock wohnte auf der Harzmühle einige Hundert Meter Seemenbach-abwärts, die seit rd. 100 Jahren nicht mehr besteht, und war Zimmermann und Schmied. Eine Erneuerung 1752 hing eng mit der Wiederentdeckung des „guten Born“ zusammen, der schon 1602, 1651 und 1701 für kurze Zeit heilendes Wasser spendete. 1701 wird u.a. in der „Europäischen Zeitung“ über Wunderheilungen berichtet. Fast 50 Jahre später ereignet sich nach verschiedenen Berichten folgendes: Ein junger Bursche mit Namen Konrad Götz (in einigen Berichten wird er mit seinem Vater Jakob Götz verwechselt) hatte in der Nacht zum 20. Oktober 1749 einen merkwürdigen Traum. Er sah ihm unbekannte Männer, die rieten ihm, er solle an den guten Born gehen und graben. Von der Erde solle er einen Brei bereiten, auf Leinwand streichen und auf die Augen Leidender legen oder in Form eines Kegels in die Ohren Schwerhöriger stopfen, so würden diese wieder sehen oder hören. Das Wasser aus dem guten Born solle er an seiner leiblichen Mutter probieren, und auf das Haupt tropfen lassen, so werde diese eine wunderbare Wirkung verspüren. Unruhige Tage und Nächte folgten, bis dieser am 16. Februar des kommenden Jahres wirklich zu graben begann. Am 1. März 1750 hatte er einen zweiten Traum. Er sah wiederum ihm unbekannte Männer, die ihm sagten, er solle den Herrn Jesu bitten, so würde das Wasser zu fließen beginnen. Kaum hatte er diesen Rat befolgt so füllte sich der Graben mit Wasser und aus dem Wasser krochen Kröten, Frösche und Eidechsen und verschwanden in den Wiesen, dann war das Wasser rein und gut. Dann hatte er noch einen dritten Traum. Die unbekannten Männer gaben ihm Anordnungen, wie es mit dem Wasser zu halten sei. Sie verkündeten, das Wasser werde zwei Jahre seine Kraft behalten und geboten, dass ein Geistlicher die Leute dort zur Buße mahnen solle. Er selbst solle, wenn der Pfarrer nicht da sei, aus der Bibel lesen. Weitere Anweisungen, Gräben zu ziehen und Krüge mit auf das Heilwasser hinweisender Aufschrift zu besorgen, folgten und Konrad Götz hielt sich daran. Am 16. März kam Fürst Friedrich Karl aus Gedern herüber und verschaffte sich einen Eindruck von der Wunderquelle. Er ließ das Wasser durch den Medikus Dr. Graf aus Freienseen untersuchen, der seine heilsame Wirkung bestätigte. Die Quelle wurde am 25. März geweiht und viele Kranke, die bis aus den Gegenden von Gotha, Fulda, Heidelberg, Speyer und Mainz kamen, wurden nach Genuss des Wassers und Auflegung der Erde geheilt. Die Krücken, Stöcke und Kleider hängten diese an eine dabei stehende Eiche. Diese Sachen wurden später auf den Speicher der Kirche gebracht, wo sich die Kranken die Krücken und Stöcke für ihren Bedarf holten, so dass heute keine mehr davon vorhanden sind. An dem guten Born wurde nun ein Opferstock aufgestellt und das gesammelte Geld in Höhe von 530 Gulden zur Reparatur der Kirche verwandt. Leider versuchte man sogleich von verschiedenen Seiten, aus der Quelle ein Geschäft zu machen. Man missachtete die gegebenen Anordnungen, eine Wirtschaft wurde errichtet, dem Geistlichen wurde bei 10 Gulden Strafe verboten, bei dem Brunnen zu predigen und das Wasser wurde nicht mehr frei gegeben, sondern verkauft. So versiegte schon im gleichen Jahre die Quelle, zeigte sich noch einmal im Jahre 1794/95 und dann nicht mehr. Gemäß einer Urkunde vom 28. April 1855, die zusammen mit der über die vorgenannte Renovierung im Kanzeldeckel gefunden wurde, kaufte man eine Orgel aus Rossdorf bei Hanau; dabei wurde aus Platzgründen die Kanzel von der Mitte zur Seite verschoben. Weitere Restaurierungen sind 1902, 1949 und 2004 verzeichnet. In beiden Weltkriegen musste jeweils eine Glocke abgeliefert werden. 1920 wurde Ersatz beschafft, während die im 2. Weltkrieg abgelieferte Glocke 1947 von Hamburg nach Nieder-Seemen zurück kehrte und anlässlich des Einweihungsgottesdienstes nach der Renovierung am 26. Juni 1949 „zum ersten Male uns zum festlichen Gottesdienst gerufen hat“, wie im Heimatbuch zu lesen ist. Da die Kirche direkt am Seemenbach steht, hatte sie in ihrer Geschichte des öfteren unter eindringendem Hochwasser zu leiden, genauso wie einige benachbarte Gehöfte. Viel schlimmer traf aber das ganze Dorf ein Hagelschlag am 27. Juni 1767. Hierüber ist nachzulesen: „Dieses Wetter ist gezogen mit Sturm und Donner, Kiesel und Schloßen von Michelnau her in der Ausdehnung von Lißberg über Hirzenhain, Steinberg, Laiß, Gedern, Ober-, Mittel- und Nieder-Seemen über die Rödern und nach Volkartshain zu über den Vogelsberg nach dem Fuldischen hin. Es war auf einen Sonntag, Abends zwischen 5 und 6 Uhr. An Häusern, Bäumen, in Wäldern und Feldern hat es großen Schaden angerichtet. In Gedern schlug der Blitz in ein Haus; zu Ober-Seemen wurde der Kirchturm von der erneuerten Kirche mit den Glocken heruntergerissen und zu Boden geworfen, und auf der Rödern oben nach Illnhausen zu standen große, starke Buchbäume, welche aus der Erde entwurzelt wurden.“ Im Jahr 1768 wurde auf Befehl der Herrschaft Gedern der Tag zum ersten Mal als Feiertag begangen. Andere Feste sind: Kirchweihfest zu Mittel- und Nieder- Seemen innerhalb 14 Tagen vor und nach Michaeli; das Erntedankfest, Reformations-, Toten- und das Epiphaniasfest. Ebenfalls gefeiert wurde der Tag nach Himmelfahrt. An diesem Tag wurde zusammen mit dem Vieh gefeiert, mit welchem an diesem Tag auch nicht gearbeitet und gefahren werden sollte, während die Menschen aber arbeiten. Dem voraus ging eine schwere Viehseuche. Die Schule von Nieder-Seemen Eine Schule ist in unserem Dörfchen seit der Zeit des 7-jährigen Krieges, also ab 1756 nachgewiesen. Die Lehrer wurden auch oft zu Kirchenaufgaben herangezogen, als Vorsänger, Organisten oder zum Läuten der Glocken. Kirchen- und Schulvisitationen vom Anfang des 19. Jahrhunderts berichten von schlechtem Unterricht. 1827 wird bei 34 Schülern (22 Knaben und 12 Mädchen) jedoch von deutlichen Besserungen berichtet, die neben Pfarrer Georg Koch vor allem dem 20-jährigen Lehrer Georg Heinrich Ruckel zu verdanken seien. Allerdings wird Ruckel wegen körperlichen Züchtigungen, bei denen er „auf eine ungehörige Art zu weit gegangen“ sei, in ernster Form zurecht gewiesen. 1911 wird ein neues Schulhaus, das heutige Dorfgemeinschaftshaus, errichtet. Die alte Schule ist das heutige Wohnhaus der Familie und Metzgerei Schnell. 1970 endet das Schulleben in Nieder-Seemen durch den Wechsel der Schüler in die Mittelpunktschule Gedern. Wege und Straßen, Flurbereinigungen, technischer Fortschritt Für Nieder- wie auch für Mittel-Seemen sind Wege, die zu den alten Handelsstraßen führten, im Mittelalter und bis ins 19. Jhdt. nicht nachweisbar. K. Th. Chr. Müller („Straßenmüller“) schreibt jedoch 1928 in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins in einer Fußnote zur Beschreibung der linken Nidderstraße bei Schönhausen: „Hier wird die Straße von der Kreisstraße Niederseemen - Gedern geschnitten. Ihr dürfte eine frühmittelalterliche Verbindung, die in derselben Richtung zog und sich über Gedern nach Burkhards fortsetzte, entsprochen haben. Da schon 786 dem Kloster Lorsch eine Kirche zu Gedern geschenkt wird und die 3 Seemen dahin eingepfarrt waren, ergibt sich, abgesehen von einem alten Weg, der von Oberseemen her kam, diese Verbindung von selbst (Vgl. meinen Aufsatz Fuld. Gesch. Bl. XIX, S. 110).“ Damit war eine Anbindung an die linke Nidderstraße wie auch an die Bettenstraße vorhanden. Allerdings handelte es sich bei der über Schönhausen gehenden Verbindung auch 1928 wohl, wie heute, um keine Kreisstraße. Weiterhin ist als sicher anzusehen, dass zumindest zwischen Nieder- und Mittel- und auch nach Ober-Seemen ein sowohl begeh- als auch befahrbarer Weg vorhanden war.
© 2012 Heinz Müller
iEYEARECAAYFAk80PLAACgkQwygSKqmqR/jXvACfRGBleZ68htwh5/k8xe50VPSw ktAAn1Z2p+hiaYO0d9Xdy7r0AFQzBuRi =3BVW